Werner Weidenfeld

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Der Politikwissenschaftler und -berater Prof. Werner Weidenfeld ist einer der einflussreichsten Männer der Bertelsmann Stiftung. „Der Münchner Lehrstuhlinhaber verfügt über ein einzigartiges Netzwerk aus Ämtern, Arbeitsgruppen und internationalen Kontakten.“ schreibt der Journalist Hartmut Kistenfeger am 31.08.1998 in Focus. In München arbeitet ihm das Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) mit inzwischen rund 90 Beschäftigten zu. Das CAP ist das größte universitäre Institut der Politikberatung zu europäischen und internationalen Fragen in Deutschland. Zum Kundenkreis des CAP gehören unter anderem die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die Europäische Verwaltung. Außer Regierungen berät berät die Münchner Denkfabrik auch Stiftungen und Großfirmen wie beispielsweise die HypoVereinsbank. Die Bertelsmann Stiftung war an der Gründung des CAP beteiligt und gehört auch heute zu seinen wichtigsten Geldgebern. Weiteren Einfluss auf die Aktivitäten des CAP gewinnt Bertelsmann über Forschungsgruppen der ebenfalls 1995 gegründeten Bertelsmann Wissenschaftsstiftung, die in zahlreichen Projekten mit dem CAP kooperieren.

Weidenfelds Netzwerk an Kontakten ist über inzwischen drei Jahrzehnte gewachsen. Bereits 1975 wurde der junge Hochschullehrer von Helmut Kohl, damaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, in Gesprächszirkel eingeladen. Später wurde er Berater des Bundeskanzlers Kohl. Einen beträchtlichen Schub dürften Weidenfelds Kontakte in seiner Zeit als Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit von 1987-1999 erfahren haben, in das er ebenfalls von Helmut Kohl berufen wurde. Neben dieser Tätigkeit war Weidenfeld ab 1990 Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung und seit 1992 zusätzlich in deren Vorstand. Der Beginn der Zusammenarbeit zwischen Weidenfeld und Reinhard Mohn geht indes schon auf das Jahr 1986 zurück, als Bertelsmann noch weltgrößter Medienkonzern war und Reinhard Mohn mit Werner Weidenfeld telefonisch Kontakt aufnahm. In diesem Jahr sorgte Bertelsmann international für Aufsehen durch die Akquisition des New Yorker Traditionsverlags Doubleday und des Musikriesen RCA.

Die Aufgabe des deutsch-amerikanischen Koordinators ist es, die transatlantischen Beziehungen zu stärken. „Der Koordinator baut die Kontakte zu den Entscheidungsträgern aller Bereiche der amerikanischen und kanadischen Gesellschaft - insbesondere in den Universitäten, Forschungseinrichtungen und Parlamenten - aus, ebenso wie er die Begegnungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen fördert,“ heißt es auf einer Website des Auswärtigen Amts. Mit „Forschungseinrichtungen“ sind unter anderem sog. Think-Tanks, private Institute der Politikberatung, gemeint. Weidenfeld nennt in seinem Tätigkeitsbericht als wichtige Ansprechpartner den „Council on Foreign Relations“ (CFR), die „Brookings Institution“, das „American Institut for Contemporary German Studies“ (AICGS), sowie den „Chicago Council on Foreign Relations“ (CCFR). Weidenfeld gibt in seinem Bericht an, selbst in mehreren internationalen Forschungsbeiräten amerikanischer „Think-Tanks“ vertreten zu sein. Dazu gehören u.a. die europäische Niederlassung der RAND Corporation, beim „International Research Council“ des Center for Strategic and International Studies“, im Board des Aspen Institute Berlin und im Advisory Board des Konrad Adenauer Program des „Chicago Council on Foreign Relations“. Dabei trat Weidenfeld gegenüber Institutionen wie dem CFR auch als Vertreter der Bertelsmann Stiftung und nicht in seiner Funktion als Koordinator der Bundesregierung auf. Weidenfeld zählt in seinem offiziellen Tätigkeitsbericht als deutsch-amerikanischer Koordinator der Bundesregierung seine Arbeit als Leiter eines Forschungsprojekts der Bertelsmann Stiftung zur Zukunft der transatlantischen Beziehungen in Zusammenarbeit mit dem CFR mit auf. Heute koordiniert Weidenfeld für Bertelsmann Treffen wie das International Bertelsmann Forum. Lange Zeit war Weidenfeld auch Mitglied im Beirat, den die Bertelsmann Stiftung dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zugeordnet hat.

  • Werner Weidenfeld: Partnerschaft in einer neuen Zeit. Tätigkeitsbericht des Koordinators für die deutsch-amerikanische zwischengesellschaftliche, kultur- und informationspolitische Zusammenarbeit 1996-1998, Bonn 1998
  • Vordenker der Mächtigen: Werner Weidenfeld: Seine Kollegen Politologen halten den 52-jährigen für den einflussreichsten Vertreter ihrer Zunft. Da klingt Respekt mit aber auch stille Ablehnung. Was Weidenfeld betreibt, hat für deutsche Politikwissenschaftler noch immer etwas Anrüchiges. Praxis statt Theorie, anwendungsorientierte Wissenschaft statt Elfenbeinturm - wird man so nicht zum Knecht der Politik? Solche Kritik ficht Weidenfeld nicht an. Zumal Beratung auf Anfrage nur einen geringen Teil der Arbeit des CAP ausmacht. Weitaus mehr Projekte resultieren aus dem kreativen Nachdenken der beinahe 90-köpfigen Weidenfeld-Truppe über aktuelle oder sich bereits abzeichnende Probleme der Politik. http://www.cap-lmu.de/aktuell/pressespiegel/2000/vordenker_der_maechtigen.php
  • Bei allen Unterschieden haben die Probleme der Staats- und Regierungschefs in Kerneuropa einen gemeinsamen Hintergrund. "Heute gibt es eine dramatisch wachsende Labilität der Macht, eine wachsende Erosion der Bindungen in Parteiensystemen und ein wachsendes Mißtrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik insgesamt", sagt der Münchner Professor Werner Weidenfeld, der das Centrum für angewandte Politikforschung leitet. Der Verschleiß des politischen Personals habe deutlich zugenommen; Erfolg habe nur, wer "auf den Stimmungswellen reiten" könne. http://www.cap-lmu.de/aktuell/pressespiegel/2005/abstieg.php


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