Text aus Brüssel zum Wandel der Hochschulen

Aus Bildungswiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

10. Mai 2006: EU-Komission: Europa braucht modernere Universitäten!

Die Europäische Kommission hat heute Stellung dazu genommen, wie die Universitäten in Europa am besten zu modernisieren sind. Eine Modernisierung ist – wenn die Universitäten einen Beitrag zum Ziel der EU leisten sollen, eine führender globaler und wissensbasierter Wirtschaftsraum zu werden – von fundamentaler Bedeutung Die europäischen Universitäten haben ein enormes Potenzial, das leider aufgrund starrer Strukturen und verschiedener Behinderungen zu einem großen Teil ungenutzt bleibt. Die Freisetzung des erheblichen Reservoirs an Wissen, Begabung und Energie erfordert einen sofortigen, tief greifenden und koordinierten Wandel: angefangen bei der Art und Weise, wie die Systeme geregelt sind und verwaltet werden, bis hin zur Art und Weise der Leitung der Universitäten. Die Ideen der Kommission werden in einer heute angenommenen Mitteilung dargestellt, die alle Aktivitäten der europäischen Universitäten erfasst: ihr Ausbildungsangebot, ihre Forschungsaktivitäten und ihr Potenzial als Innovationsmotor. Das Dokument geht auf eine auf der informellen Tagung des Europäischen Rates in Hampton Court im Oktober 2005 erhobene Forderung zurück, aufzuzeigen, wie die Hochschulen dazu beitragen können, die Agenda für Wachstum und Beschäftigung voranzutreiben.

Ján Figel', für allgemeine und berufliche Bildung verantwortliches Kommissionsmitglied, erklärte: „Obwohl sie jedes Jahr Millionen von Studierenden ausbilden und unterrichten, werden die europäischen Hochschulsysteme durch eine Reihe von Hemmnissen behindert, von denen viele schon seit Jahrzehnten bestehen. Die heute angenommene Mitteilung ist ein Beitrag zur Debatte über die notwendige Modernisierung der Universitäten in der EU.“

„Universitäten sind Kraftwerke zur Erzeugung von Wissen“, so das für Wissenschaft und Forschung zuständige Kommissionsmitglied Janez Potočnik. „Sie werden sich an die Anforderungen einer globalen, wissensbasierten Wirtschaft anpassen müssen, ebenso wie andere Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche. Die von uns heute vorgestellten Ideen dürften dazu beitragen, eine Debatte zwischen den Mitgliedstaaten und auch in den Universitäten selbst anzustoßen.“

Die Europäische Kommission nennt neun Bereiche, in denen Änderungsbedarf besteht, wenn die europäischen Universitäten zur Schaffung einer echten wissensbasierten Wirtschaft beitragen sollen. Jede Hochschule sollte das Gleichgewicht von Ausbildung, Forschung und Innovation finden, das ihrer Rolle in ihrer Region oder in ihrem Land am besten entspricht. Dies wird zwangsläufig ein differenziertes Konzept erfordern. Das Ziel besteht darin, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen die Universitäten stärkere Akteure in der globalen wissensbasierten Gesellschaft und Wirtschaft werden können. Primäres Ziel muss es sein, bei den Lehr- und Forschungsaufgaben der Universitäten Exzellenz zu erreichen.

Die von der Kommission heute vorgestellten Vorschläge umfassen Folgendes:

  • Erhöhung des Anteils der Graduierten, die mindestens ein Semester im Ausland oder in der Wirtschaft absolvieren.
  • Zugang der Studierenden zu nationalen Darlehen und Beihilfen, gleichgültig in welchem Land der EU sie studieren oder forschen möchten.
  • Angleichung der Verfahren zur Anerkennung von Hochschulzeugnissen an die Verfahren zur Anerkennung von Berufsqualifikationen und Erleichterung der Anerkennung europäischer Studienabschlüsse außerhalb Europas.
  • Einführung von Ausbildungsinhalten in den Bereichen Umgang mit geistigem Eigentum, Kommunikation, Networking, Unternehmertätigkeit und Teamarbeit als Komponente einer Forschungslaufbahn.
  • Neuorientierung der Kurse, um eine höhere Studienbeteiligung in späteren Lebensphasen zu ermöglichen, wobei der Qualifikationsbedarf der europäischen Arbeitskräfte zu berücksichtigen und die Anpassungsfähigkeit der Universitäten an die alternde europäische Bevölkerung sicherzustellen ist.
  • Überprüfung der nationalen Studiengebühren und Fördersysteme, damit die Besten Zugang zur Hochschulbildung und zu weiterführenden Forschungslaufbahnen haben, unabhängig von ihrem Background.
  • Überprüfung der Systeme zur Finanzierung der Universitäten; diese sollten mehr auf Ergebnisse abstellen und den Universitäten mehr Eigenverantwortung für die Sicherung ihrer langfristigen finanziellen Tragfähigkeit einräumen, insbesondere in der Forschung.
  • Ermöglichung einer größeren Autonomie und Verantwortlichkeit der Universitäten, damit diese schnell auf Veränderungen reagieren können. Dies könnte die Überarbeitung von Lehrplänen – zur Anpassung an neue Entwicklungen – umfassen, die Schaffung engerer Verknüpfungen zwischen Studienfächern und eine stärkere Fokussierung auf übergreifende Forschungsbereiche (z.B. erneuerbare Energien, Nanotechnologie) anstatt auf einzelne Disziplinen. Auch mehr Autonomie auf der Ebene der einzelnen Hochschulen bei der Auswahl des Lehr- und Forschungspersonals könnte dazu gehören.

Die Kommission ist bereit, die Modernisierung der Universitäten in der EU durch einen Prozess der Ermittlung und des Austauschs vorbildlicher Praktiken und durch ihre Förderprogramme für Bildung, Forschung und Innovation zu unterstützen: das Programm für lebenslanges Lernen, das Siebte Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung, das Programm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation sowie die Struktur- und Kohäsionsfonds.

Persönliche Werkzeuge