Schulstreik 2008: stimmen vom potsdamer platz. quelle: indybildung

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quelle: indybildung.

Schulstreik 2008: Stimmen vom Potsdamer Platz

(lektorierte, um weiterführende links ergänzte version.)

anna panek 22.5.08/ ergänzung 25.05.2008 - 11:57


Am Donnerstag sind auch dieses Jahr zwischen 7.000 und 10.000 Schüler und Studierende

gemeinsam auf die Straße gegangen, um gegen die Kürzungen im Berliner Bildungshaushalt

zu demonstrieren.


Sie fordern die sofortige Einstellung neuer Lehrer, wehren sich gegen die Verkürzung des Abiturs,

prangern die Folgen des Bolognaprozesses an, äußern sich generell abrechnend -

abrechnend mit den derzeitigen menschenfeindlichen und asozialen Prioritäten, die der jetzige Berliner Haushalt setzt.


Vor Beginn der Demonstration ergab sich die Gelegenheit, einige Demonstrierende

zu ihren Gründen der Teilnahme direkt zu befragen.


So berichtet ein Schüler von der Primo-Levi-Schule über die Zusammenlegung zweier Schulen,

aus der seine Schule hervorgegangen ist. Die Folge sind nun 5 Klassenzäge a 32 Schüler.

Auch er fordert entschieden die Einstellung neuer Lehrer.


Eine Schülerin des Sophie-Charlotte-Gymnasiums befindet sich bereits auf der verkürztes-Abitur-Schiene.

Sie fordert die Rücknahme der Entscheidung. 7-8 Stunden Unterricht sind für sie jetzt Norm. Gestraffter, oberflächlicher Unterricht und eine spürbare Arbeitsüberlastung sind die Folge.

Mehr und besser ausgebildete Lehrer fordert auch sie.


Der Redebeitrag eines FU-Studenten fordert auf zur Solidarisierung mit steikenden Arbeitern: es seien dieselben Probleme, die sowohl in Ausbildung Befindliche wie bereits Arbeitende betreffen:

gespart und gekürzt werde bei der Bildung, bei der Grundversorgung mit Wasser, Wohnraum, beschnitten werden Mitbestimmung wie Arbeitsrechte.

Er nennt die skandalöse widerrechtliche Verhinderung der Einstellung Scharenbergs als Beispiel für Dieter Lenzens Monarchenverhalten als FU-Präsident.

Nach seinem Redebeitrag gab es die Gelegenheit, dem Studenten ein paar Fragen zu stellen:

"Du hast soeben zu mehr Solidarität zwischen Studierenden und Arbeitern aufgerufen. Auch dir ist der seit November im Netz zugängliche 3-Scenarios-Entwurf eines europaweiten Studierendenstreiks bekannt. Wie würdest du die derzeitigen Chancen einer Umsetzung einschätzen?"

"An der FU haben wir auch während des noch laufenden Protestcams gesehen, wie schwer es ist, die Studenten an unserer eigenen Uni zu erreichen und in Bewegung zu bringen. Gerade Bachelor-Studenten sind durch die gestrafften Studienpläne derart überlastet, daß ihnen zur Reflexion ihrer eigenen Situation und zum Kampf gegen die Beschneidung ihrer Rechte schlicht die Zeit nicht bleibt."

"Trotzdem könnte man nachfragen, ob die phantasievollen Protestformen dieses Semesters mit Camp und kleineren selbstorganisierten Seminaren ausreichend sind. Es gibt Forderungen, für die ein Einsatz der Studierenden sich lohnen würde. Dafür ist ein Erstkontakt mit - trotz des laufenden Protestsemesters - tief im vorgesehenen Semesterplan verstrickten noch protestunerfahrenen Studenten nötig. Der Versuch, größere Vorlesungen und Seminare jeweils einige Minuten zur Grundinformation zu besuchen, hat erfahrungsgemäß einen solchen Erstkontakt am zuverlässigsten herstellen können. Warum tun sich die Studierenden deiner Meinung nach bisher damit so schwer?"

"Ich habe keine Ahnung woran das liegen könnte. Für mich ist die schwache Beteiligung von Studierenden beim Camp vor allem ene Folge der Bachelorumstellung."

"Das heißt, das BA/MA-System funktioniert besser als befürchtet?"

"So könnte man sagen."


weitere fotos gibt es auf wikibildung.


Ergänzt hinzugefügt werden kann, daß auch auf dem noch laufenden internationalen Freiräumetreffen in Berlin-Kesselberg von vielen studentischen Beteiligten über die spürbar schwere Mobilisierbarkeit von Bachelor-Studierenden geklagt wird und die Chancen auf den Europaweiten Studierendenstreik gering eingeschätzt werden. Die Aussichten auf eine Realisierung eines der drei beschriebenen Scenarios sollten trotzdem nicht unter Null angesetzt werden. Es ist schwer vorzustellen, daß sich in ganz Europa keine fünf Universitäten finden sollten, die noch genügend Widerstandsanlauf hätten, um das Protestpotenzial über die nötige Schwelle hinüberzuretten.


weiterführender link: erster schulstreik08-beitrag auf indybildung.


NACHTRAG. archiv schulstreik-demo 2006.


Bild:Schulstreik1006-archiv1.jpg

wieder grüße an wladek. der im foto angemerkte fall darf auch heute noch ein leises echo wecken. der minderjährige wurde nach offizieller beendigung der demo durch die polizei - schwer verprügelt (verprügelt durch einen blond-kurzhaarigen polizeibeamten, den sein vorgesetzter als "beamter des innendienstes" bezeichnet hat) im krankenwagen vom fernsehturm zur charité abtransportiert. im direkten anschluß auf einen rechercheanruf bei der berliner polizei wurde die recherchierende person zum wie sie sagt, ersten male in ihrem leben von drohanrufen traktiert. vier in der folge, der letzte äußerte in verzerrtem psychoton "ich mach dich kalt". nach der ausstellung eines größeren presseausweise kann die person zwar wieder recherchetätigkeiten aufnehmen, aber die reaktion bleibt bis heute auffällig. das interesse an der aufabeitung des falls dieses minderjährigen, krankenhausreif geprügelten demonstrationsteilnehmers sollte auch weiterhin vor dem abflauen geschützt werden. kennst Du leute, die in der lage wären, hier selbst heute noch nachzuhaken? die charité stellt sich stumm. die demo-orga von 2006 hat keine ahnung. wer könnte hier - selbst heute noch - genauer nachfragen?"


sollten Sie als zufälliger leser dieser seite angaben zu dem hier genannten fall machen können, kontaktieren Sie bitte: streikzentrale@gmx.net

edit nach demo feb 25th 2009: "zu den fotorechten aber, wladek...": klick besser hier. dort unten im dok.

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