Poetologien der Geschlechter
Aus Bildungswiki
Poetologien der Geschlechter im 20. Jahrhundert: Psychiatrie und Literatur II
PT (0) Do 16-18 wöch. Raum auf Anfrage A. Böhmelt/F. Kappeler/S. Könemann (Beginn: 16.10. 2008)
Ende des 19. Jahrhunderts wurde im deutschsprachigen Kontext eine Konfiguration wirkmächtig, die Literatur als Ausdruck von Wahnsinn und SchriftstellerInnen als neurotisch auffasste. Gleichzeitig bezog sich die Psychiatrie immer häufiger auf Literatur und benutzte selbst poetische Techniken zur Wissensproduktion über „Wahnsinn“. Eine interessante Frage aus heutiger Perspektive ist, ob diese Konjunktur pathologischer Poetiken und poetischer Pathologien, die in hohem Maße vergeschlechtlichende Züge aufweist, sich seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts auflöst oder transformiert, z.B. durch die Antipsychiatriebewegung und die neue Dominanz neurologischer Ansätze in der Psychiatrie und inzwischen z.T. auch in der Literatur/ -wissenschaft.
Im Projekttutorium wird dieser Zusammenhang von Psychiatrie und Literatur in seinen historischen Umbrüchen besonders in den letzten Jahrzehnten diskutiert und unter gendertheoretischen Gesichtspunkten analysiert. Im Vordergrund steht die Rekonstruktion von Beziehungen zwischen literarischen und nicht-literarischen Texten wie z.B. medizinischen Lehrbüchern, forensischen Gutachten, wissenschaftstheoretischen Texten, etc. Dabei ist u.a. zu fragen, wie geschlechtliche Einschreibungen in psychiatrisches Wissen sich zu den Vergeschlechtlichungen literarischer Texte verhalten. Wenn davon ausgegangen wird, dass Wissen und Geschlecht immer auch ‚poetisch’ produziert werden, inwiefern kann dann von einer ‚Poetologie der Geschlechter’ gesprochen werden?
Es handelt sich um eine Fortsetzung des im SoSe 08 begonnenen Projekttutoriums. Neue Teilnehmer_innen sind herzlich willkommen!
Da der Raum bisher noch nicht feststeht, bitten wir um Anmeldung per E-Mail.
Kontakt: genderwahnsinn at web.de
