Diskussion:Global Actionday

Aus Bildungswiki

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hm.......... steffi streik. jemand in letzter zeit gesehen? die jüngste mail adresse von steffi streik?

betr. 2009 und das folgende hier:

vorangegangener aufruf - untertitel für filmaufführungen im ausland

es geht um den "summer of resistance"-film siehe http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/378889


[nebenbei linksammlung zum späteren wiederauffischen: http://de.indymedia.org/2005/07/122556.shtml - http://de.indymedia.org/2005/07/122424.shtml <- werbeflächen - - - - summer of resistance 05: http://de.indymedia.org/2005/04/113154.shtml - -> summer of resistance reloaded 2007: http://de.indymedia.org/2007/04/174005.shtml]



für wroclaw. transcription and first translation suggestions.


transcript - "summer of resistance reloaded 2006"

[00:14]

und wir haben ein vorbild: erst vor wenigen monaten haben es die studierenden und schüler in frankreich geschafft, ein bereits beschlossenes gesetz zurückzunehmen

(and we have a role model: only a few months ago the students and pupils in france have managed to force the redemption of a law which already was decided.)

[00:24]

das muß auch unser ziel sein, wenn die gesetze beschlossen werden!

(this must be also our aim, if the laws will be passed!)

[00:34]

in diesem sinne, auf einen gelungenen weiteren, heißen protestsommer! laßt uns deutlich machen, daß studiengebühren unsozial sind! danke!

(so - we wish you a successful, hot protest summer! let us show them clearly, that tuition fees are antisocial! thank you!)

[00:49]

wir haben uns entschlossen, hier eine gemeinsame vollversammlung zu machen, weil wir zeigen wollen, daß es nicht einzelne splittergruppen sind, die sich gegen studiengebühren aussprechen, sondern daß wir alle gemeinsam vorhaben, dagegen anzugehen

(we have decided to have a full plenary meeting here because we want to show that it´s not small groups who fight tuition fees - to the contrary: we all together want to do something against them!)

[01:08]

es gibt immer mehr vernetzungstreffen, es gibt immer mehr gelegenheiten, wo sich die leute aus verschiedenen bundesländern, von allen möglichen hochschulen zusammentreffen

(there are more and more intercommunication meetings, where people from differend parts of germany join them, from different univeristies)

[01:17]

ich persönlich fands ein bißchen total unorganisiert, also planlos...

(i personally had the feeling it was a bit unorganised, chaotic...)

[01:22]

und es betrifft ja nicht nur den bildungssektor, sondern es betrifft ja den gesamten sozialen sektor. es geht ja um sozialabbau an allen ecken und enden,

(and - not only the educatoin sector is affected. this touches the whole social sector. it´s about cuts in social services on all levels)

[01:30]

daß Sie nicht in bergeisterungsstürme fallen in bezug auf die studiengebühren, ist uns völlig klar

(..., that you are not enthusiastic about tuition fees, we understand this totally)

[01:36]

es geht uns auch nicht darum - wie uns oft vorgeworfen wird - ein privileg zu erhalten

(our aim ist not to hold a priviledge - as an often heard reproval claims)

[01:41]

das ist - absolut klar

(we understand this totally)

[01:43]

sondern es geht darum, allen leuten die möglichkeit zu geben, sich den zugang zu dieser bildung zu verschaffen. um eben genau diese elitebildung zu verhindern. weil wenn viele leute zugang zur bildung haben, dann ist es kein elitäres gut mehr, sondern dann ist es eine sache, die ein grundrecht it für alle menschen und das ist genu das, was es sein sollte

(our aim is, to give all people a chance to get access to this education, to prevent that kind of elite-educaton. because if many people have access to education, then it´s not an elite good anymore - but a good which is a basic human right for all people. and this is exactly, what education should be.)

[02:08]

(sarkastisch:) ja, wir haben gesagt - mehr bullen, ne? (yes we said: more cops, he?)


[02:11]

Koch muß weg! Koch muß weg!

(koch must go! koch must go) (explanation: roland koch is an ultra-conservative neoliberal politician in hessen, germany)

[02:14]

daß unser protest berechtigt oder wirkungsvoll ist, das sieht man eigentlich schon an der polizei,

(actually, the presence of he police proves that our protest is justified and efffective)

[02:21]

ja - wir sind eigentlich kurz vor bürgerkriegsähnlichen zuständen.

(yes - these are almost civil war conditions)

[02:33]

es wird von staatsseite versucht, unseren protest zu kriminalisieren und zu spalten

(state powers try to criminalize and to split our protest)

[02:43]

genau das wird hoffentlich nicht gelingen.

(but that´s exactly what they shouldn´t be able to manage)

[03:17]

also ich würde schon von einem bundesweiten protest sprechen insofern, daß studiengebühren einfach ein bundesweites thema sind

(i would actually speak of a germanwide protest in so far as tuition fees are a germanwide item)

[04:04]

die im "summer of resistance" 2005 geborene protestbewegung für freie bildung für alle entwickelt sich 2006 zu einer bundesweiten bewegung mit neuen aktionsformen und einer neuen kraft. doch wie fing es an? ein kurzer rückblick.

(the protest movement for free education for all which has been born in the "summer of resistance" 2005, develops 2006 to a germanwide movement with new action forms and a new power. but how did it begin?


[04:20]

(winfried hassemer, bundesverfassungsgericht) ...gilt es zu beachten, daß studiengebühren in der bislang diskutierten größenordnung von 500 euro je semester im vergleich zu den lebenshaltungskosten von nachrangiger bedeutung sind. ...von nachrangiger bedeutung sind...

(winfried hassemer, federal constitutional court) (...it has to be realized that tuition fees in the so far discussed range of 500 euro per semester are of subsequent weight in comparison to the living costs.) (...of subsequent weight...)

[04:40]

(dies war der beginn des summer of resistance 2005) das LHG (landeshochschulgesetz) ist ein gesetz ist ein gesetz ist ein gesetz! und es kann geändert werden, geändert werden, geändert werden!

(this was the beginning of the summer of resistance 2005) the LHG (country hight education law) is a law is a law is a law! and it can be changed, can be changed, can be changed!


(nrw - nordrhein-westfalen stuttgart)

[05:29]

am 26. januar 2005 erklärte das bundesverfassungsgericht in karlsruhe das von der bundesregierung erlassene verbot allgemeiner studiengebühren für verfassungswidrig. es urteilte damit allerdings nicht darüber, ob studiengebühren an sich zulässig seien oder nicht, sondern nur, daß in unseren föderalen system bildungsfragen ländersache sind und nicht der bund über studiengebühren zu entscheiden habe, sondern die einzelnen bundesländer. das verbot, das durch streikwellen und proteste jahre zuvor erkämpft wurde, fiel so einer formalität zum opfer.


(at january 26th, 2005 the federal constitutional court in karlsruhe stated the prohibition of tuition fees, legally enacted by the german federal government, as being unconstitutional. this did not inlude a decision about the quiestion if tuition fees are generally legal or not, it only stated that in the german federal educational system not the german government but the federal states have to decide about tuition fees.

the prohibition of tuition fees, hard-won by strike waves and protests years before, now fell because of a mere fomality.)


[06:04]

doch freie bildung darf nicht an formalitäten scheitern. besonders in freiburg, stuttgart, hamburg und vereinzelt in nordrhein-westfalen kam es zu einem ersten aufflackern von studierendenprotesten, wie es sie zuletzt 2003 gegeben hatte. der summer of resistance war geboren.

(but free education dare not collapse on formalities. in freiburg, stuttgart, hamburg and in nordrhein-westfalen it came to a first flare of students protest as they took place in 2003. the summer of resistance was born.)


[07:34]

(der summer of resistance endet auch im winter nicht...) (dies universitatis 2005 - tübingen, festsaal) (peter gaehtgens, ex-preäsident der HRK = hochschulrektorenkonferenz, eiserner verfechter von studiengebühren) sehr verehrte damen und herren, wir wollen uns ganz herzlich bei herrn gaehtgens für seinen einsatz für studiengebühren bedanken... (tag X hamburg, norddemo bremen)


(the summer of resistance does not end in winter...) (dies universitatis 2005 - tübingen, celebrity room) (peter gaehtgens, ex-resident of the HRK = conference of univerity rectors, strict proponent of tuition fees) (dear sirs, madames, we want to thank mr. gaehtgens cordially for his effort to tuition fees) (day x hamburg, norddemo = north manifestation bremen)

[09:07]

mit dem schärfer werdenden winter wird nun auch der widerstand schärfer. aus dresden kommt der aufruf: klaut die listen! um gegen den anwesenheitszwang zu kämpfen. das wird in hamburg aufgenommen.

(with the winter getting harder now also resistance gets sharper. from dresden a call reaches us: steal the signing lists!, in order to fight against the force of presence. students in hamburg pick the idea up.

[10:09]

ein neues jahr beginnt. am 26. januar jährt sich das urteil des bundesverfassungsgerichts zum ersten mal. in münster wird deswegen der haupteingang der universität mit einem riesigen banner geschmückt, auf daß münster auch weiterhin gebührenfrei bleibe.

(a new year begins. on january 26th the verdict of the federal constitutional court is now a whole year old. in münster the university´s main entry is decorated with a large transparent against tuition fees.)


[10:26]

in hamburg werden dagegen geschenke der besonderen art an die wissenschaftsbehörde gegeben, die im vorigen jahr der hauptkläger war. (in hamburg werden geschenke überreicht...)

but in hamburg presents of another kind are delivered to the science administration, who has been the main claimant last year. (presents are delivered in hamburg)

[10:59]

und während alle in die semesterferien gehen wollen, kommt aus bielefeld die nachricht: "das rektorat ist besetzt!" (werd auch du zur besetzerIn! komm auf A3! ab sofort!)

(and while all want to begin their semester brake, bielefeld sends a message: "the presidency is occupied!") (be an occupant, too! come to A3! now!)

[11:06]

anders als in hamburg und baden-württenberg ist es in nordrhein-westfalen den hochschulen selbst überlassen, ob sie studiengebühren einführen oder nicht. das verlegt den kampf auf die universität. und als bekannt wird, daß das rektorat studiengebühren einführen will - wird es besetzt.

(not like in hamburg and bdenwürttenberg, in nordrhein-wesfalen it´s up to the universities themselves if they want to install tuition fees or not. this steers the fight to the campus. and as the news leak out that the rectorate wants to install tuition fees - the students occupy it.)

[11:21]

mehr als drei wochen halten die studierenden das rektorat, bevor es von einem sicherheitsdienst geräumt wird. mehr noch: in paderborn, nicht weit von bielefeld, sollen auf einer senatssitzung studiengebühren beschlossen werden. auf nach paderborn!

(more then three weeks the students hold the rectorate, before a security service evacuates it. even more: in paderborn, not far away from bielefeld, tuition fees are planned to be installed during a senate conference. le´s go to paderborn!)

[11:54]

und nachdem der senat trotz der proteste studiengebühren einführt, wird dort ebenfalls das rektorat besetzt. im ganzen land kommt es zu solidaritätsbekundungen.

(and after the senate installs tuition fees in spite of the protests, the students occupy this rectorate also. solidarity statements from the whole country reach them.)

[12:11]

das macht schule. (rektorat besetzt - universität köln) (wir sind jung - und brauchen das geld - verdammte scheiße)

(this was a beginning.) (rectorate occupied - univerity cologne) (we are young, we need the money, damn!)

[12:24]

der albertus-magnus-platz war bunt, so viele studis waren da und die wollten protestieren, denn in cirka einem jahr will die kölner uni geld, gut für die bildung soll es sein, doch dann kommt man ohne kohle nicht in die uni rein

(the albertus-magnus-platz was colourful, there were so many students and they wanted to protest, because in almost a year the uni of cologne wants money, they claim that´s good for education, but then you wont´s get inside without bucks)


[12:41]

heißen die studis, die nicht aufstehn, wie in frankreich längst geschehn? dafür muß man nicht studiert habn, um das ganze zu verstehn, und dann kam einer vorbei und fragte - ist hier was, ein fest? sowas ähnliches, sagte einer: axels büro, das wird besetzt!

(are these students, fi they don´t stand up like in france not long ago? you dont´t have to have studied to understand this all, and then someone came and asked - what is it, is it a party? something like this, another said - axel´s office is occupied!)

[12:57]

und die studis im rektorat, die schrieen: scheiß auf den senat! freie bildung an den unis! wir zahln leuten wie dem euren freimuth sicher keine hunnis! (axel freimuth: rektor uni köln)

(and the students in the rectorate, they shouted: give a damn about the senate! free education in the universities, we surely won´t pay people like this axel freimuth hundreds of cash!) (explanation: axel freimuth - rector of university cologne)


[13:29]

der senat war ganz schön sauer, axel freimuth schwer empört daß die studis sich jetzt nehmen, was ihnen sowieso gehört denn - bildung, die soll frei sein und das ist das große ziel und um das zu erhalten, dafür passiert in köln nicht viel

[13:44]

und vielleicht gehn jetzt die augen auf bei der studentenschaft und trotz der reichen eltern hat´s der letzte noch gerafft studiengebühren zum sozialen selektiern ich will's hör'n: ey, was sind das für manieren?!

und die studis im rektorat, die riefen: scheiß auf den senat! für bildung an den unis geben wir so leuten wie dem freimuth sicher keine hunnis!

[14:20]

(universitäten duisburg / essen)

[14:32]

warum schläfst du nicht zuhause, fragt mensch meier seinen sohn er sagt - die uni ist so schön, ich möcht' am liebsten darin wohn'n und zur zeit, da ist es möglich - und zwar im rektorat da tagen wir jetzt täglich gegen rektor und senat

[14:47]

ist nicht wahr! sagt mensch meier, ja das war bei uns so ähnlich (really! sais mr. meier, yes, i rember it was the same with us) man müßte eben aufstehn, sind die da oben heut so dämlich - also haut schon auf die kacke, laßt die merken, ihr meint´s ernst und wenn ihr das gemacht habt, hoff` ich, daß du wieder lernst

und die studis im rektorat, die riefen: scheiß auf den senat für bildung an den unis geben wir so leuten wie dem freimuth sicher keine hunnis!

[15:22]

(landesweite demo zum landtag in düsseldorf)

und die studis im rektorat, die riefen: da habt ihr den salat! für bildung an den unis geben wir so halsabschneidern wie dem freimuth sicher keine hunnis

[16:07]

bei einer landesweiten, gemeinsamen demo in düsseldorf gibt es dann leider unschöne szenen durch die polizei eine kleine spontandemo im anschluß an die offizielle demo wird gekesselt

[16:21]

(radio betonzeit live)

sie fahren einfach durch die menge und geben einfach gas. sie sind heute schon einem demonstranten über den fuß gefahren und zücken mittlerweile auch immer häufiger den schlagstock das geht so einfach nicht, weil von uns keine gewalt ausgegangen ist

[16:31] es ist eine frage der zeit, bis hier panik ausbricht

[16:35]

also gerade hab ich gesehen, wie direkt losgeschlagen worden ist, als jemand nach vorne gegangen ist, um die lücke zu füllen (was natürlich klar ist - man läßt hier keine lücke) und die eine sache, das habe ich gerade gesehen, ein polizei-motorradfahrer hat gerade jemand angefahren ein andermal ist ein polizeiwagen ist von hinten nach vorne durchgebraust, hat beinahe leute mitgenommen und einzelne, die dagegen protestiert haben, daß dieser wagen hier einfach durchbraust, wurden zur seite geprügelt, damit dieser wagen durchfahren kann

[16:54]

das nummernschild des polizisten - er hat zwei junge frauen umgefahren - und er soll andere wohl geschlagen haben (also das mit den jungen frauen habe ich selbst gesehen) - ist D 39 55

[17:05]

und die ganze aktion war lebensgefährlich - der ist mit 30, 40 km/h in die menschenmenge reingefahren, die das nicht sehen konnte von hinten, und hat dann noch um sich geschlagen richtig schläge in das gesicht von leuten, die einfach nur am rand gestanden haben

[17:17]

durchsage der polizei: aus ihren reihen wurden straftaten begangen. deshalb haben wir Sie festgehalten. jene, die straftaten begangen haben, werden von uns festgenommen. alle anderen personen werden in den bus gesetzt und zum bahnhof gebracht. von dort werden Sie Ihre heimreise antreten.

[17:44]

ja, die polizei hält uns einfach fest, den grund dafür kennen wir nicht wirklich, und die sorgen jetzt dafür, daß wir in die busse steigen, damit sie noch einzelne leure rausgreifen können und die schicken uns dann zum bahnhof - zurück nach hause.

(hintergrund durchsage der polizei: gegen Sie wird ein platzverweis ausgesprochen...)

[18:01]

und ich finde es einen absoluten unzustand. die uni ist ein hoheitsgebiet der bildung. hier hat polizei in kampfmontur nichts verloren! wir sind hier hunderttausend studenten in köln wir haben keinerlei demokratische mitbestimmungsmöglichkeit an dieser institution! und deswegen machen wir genau das, was die politiker die ganze zeit sagen, was wir machen sollen: wir beteiligen uns am "demokratischen ideenwettstreit" - mit unseren mitteln und unseren methoden, weil demokratie steht uns an dieser institution leider nicht zur verfügung!

[18:42]

und wir sind auch nicht desinteressiert, wir sind auch nicht ungebildet wir sind auch nicht politikverdrossen, wir sind STINKSAUER!

[18:51]

(a propos sauer...)

[19:52]

in frankreich erhebt sich eine massive bewegung gegen das sogenannte CPE, das gesetz der ersten einstellung

[19:59]

dieses gesetz sollte die arbeitsbedingungen für menschen unter 26 jahren weiter prekarisieren. es beinhaltete unter anderem zwei jahre arbeit ohne kündigungsschutz, längere nachtschichten und weniger schonzeiten.

[20:11]

doch die wütenden jugendlichen versetzen frankreich in den ausnahmezustand. unis, bahnhöfe, straßen, ja sogar flughäfen werden besetzt und blockiert.

[20:20]

in paris kommt es zu straßenschlachten mit der polizei, und die räumung der universität sorbonne wird militant bekämpft.

[20:55]

(das gesetz wurde zurückgenommen)

zu frankreich muß man sagen, daß das, glaube ich, als katalysator gewirkt hat, wir hätten in deutschland schon genug gründe, uns massiv gegen gebühren zu wehren da ist einmal einsicht in die wirkungslosigkeit der bisherigen protestformen - symbolische demos etc., andererseits aber auch die immer größer werdende wut auf die politiker, die völlig interesselos ihre unsoziale politik durchsetzen. zusätzlich war es jetzt im januar so, daß die studierenden in frankreich gemeinsam mit schülern und gewerkschaften es geschafft haben, ein bereits beschlossenes gesetz wieder zurückzukämpfen

[21:31]

wie haben sie das geschafft - dadruch, daß sie auf die straße nicht nur gegangen sind, sondern daß sie straßen blockiert haben, daß sie autobahnen blockiert haben daß sie zuliefererbetriebe von airbus blockiert haben, daß sie so einen finanziellen schaden angerichtet haben und dieses gesetz wurde im endeffekt zurückgenommen. das haben wir in deutschland und hier in hamburg mit freuden vernommen und haben deswegen zu beginn des sommersemesters hier in hamburg "französische wochen" ausgerufen. unser ziel war, die stimmung aus frankreich in unseren protest in deutschland zu übertragen.

[22:04]

(barrikadenwettbewerb an der uni hamburg)

jeder der lust hat, ist aufgerufen zeit zu nehmen - sammelt jetzt materialien auf dem campus damit wir uns in einer halben stunde zwei barrikaden bauen können möge dann der bessere gewinnen

[23:24]

(die barrikaden sind aufgebaut - es geht ans stürmen)

(team B gewinnt, weil deren barrikade länger stand hielt. gemeinsam wird als abschluss eine große barrikade in der mitte gebaut)


[24:45]

also wir haben 2003 in hessen gegen langzeitstudiengebühren gekämpft mit bunten aktionen, mit einer menge kreativer sachen, mit großen demonstrationen und es hat niemanden interessiert wir haben die bildung baden geschickt und zu grabe getragen und ich weiß nicht, was noch alles damit gemacht und es hat niemanden interessiert und - wir haben, als wir dieses jahr angefangen haben, gesagt: es kann so nicht weitergehen irgendwann muß die regierung uns zuhören und wenn sie uns nicht zuhört, wenn wir friedliche kundgebungen in der fußgängerzone machen, dann müssen wir unseren protest eben so auf die straße bringen, daß man uns zuhört

[25:22]

(marburg)

(500 protestierende studenten blockieren die stadtautobahn. straße in beiden richtungen ab 21 uhr für stunden besetzt)

(marburger protestmodell macht schule)

(frankfurt)

[26:00]

die marburger schule verbreitet sich durch ganz hessen. nach kassel, darmstadt, gießen - überall versuchen studierende, auf die autobahn zu kommen in frankfurt und marburg gelingt das auch immer wieder.

[30:43]

(lieber udo - das war erst der anfang)

[(udo corts: wissenschaftsminister in hessen seit 2003, überzeugter vertreter von studiengebühren)]

[30:48]

im anschluß an die senatssitzung fand ein demonstrationszug statt verstärkt durch die FH-studenten (FH: fachhochschule) wurde unter anderem der autobahnanschluß zur A 66 blockiert dies hatte einen größeren stau in der frankfurter innenstadt zur folge.

(transparente:

udo und roland haben auch nicht gezahlt

bildungsabbau verhindern)

[33:23]

aktion lachsbrötchen

bonn mensa 10.4.06

[33:33]

ja, wir stehen hier, weil wir eine eliteuniversität werden und weil wir demnächst studiengebühren bezahlen müssen dann gibt´s vielleicht jeden tag lachs das können wir aben noch verhindern, indem wir am 27. den senat stürmen und dem rektor sagen, was wir davon halten

[34:10]

(spruchchor: wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die bildungs klaut!)

[34:18]

es ist wohl nicht möglich, Sie zu diesem anlaß noch einmal über die bekannten einwände gegen studiengebühren aufzuklären zumal über die absicht am besten dadurch ausdruck gegeben wird, daß das rektorat bereits eine arbeitsgruppe über die konkrete ausgestaltung der pflichtzahlungen eingesetzt hat noch bevor eine entscheidung getroffen wurde.

wir beobachten die praxis, die studierenden in bonn möglichst unauffällig vor vollendete tatsachen zu stellen, mit aufrichtiger empörung.

weder befand man es für nötig, eine öffentlich zugängliche und transparente willensbildung in einer grundrechtefrage zu ermöglichen, noch wird auch nur ansatzweise eine direkte demokratische mitregierung durch die betroffenen selbst in erwägung gezogen

wir überbringen daher Ihnen, den mitgliedern des senats bonn, folgende forderungen:

punkt 1. der senat setzt seine beschlußfassung über die einführung von studiengebühren so lange aus, bis ein ergebnis der studentischen abstimmung vorliegt. dieses ergebnis ist, unabhängig vom ergebnis, für den senat bindend.

punkt 2.

es soll über eine repräsentativere zusammensetzung des senats verhandelt werden. die momentane mitbeteiligung der studierenden ist unangemessen, was an der frage der studiengebühren deutlich wird.

punkt 3. die zusammensetzung von universitären gremien wird sich künftig an den gewählten vertretern des studierendenparlaments orientieren und weist den studenten und studentinnen als zahlenmäßig größerer gruppe eine entsprechende bedeutung zu.

es ist unser dringendes anliegen, daß sich die verhängnisvolle gleichgültige haltung gegenüber einer wirklich demokratischen hochschulpolitik nicht weiter fortsetzt.

[35:50]

die entwicklung einer ausgrenzenden eliten-hochschulbildung steht im gegensatz zum sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen interesse der gesellschaft.

dieser verantwortung muß sich auch unsere universität verpflichtet fühlen.

wir empflinden es als mündige staatsbürger als bezeichnend, daß wir heute hier ein müssen, um eine demokratische entscheidung über existenzielle studentische belange zu fordern.

abschließend bleibt zu hoffen, daß Sie, die senatoren, dieser einschätzung folgen.

mit freundlichen grüßen

die studierenden der universität bonn.

[36:34]

wir haben das jetzt gehört, daß Sie nicht in bergeisterung fallen in bezug auf die studiengebühren, ist uns völlig klar.

also nochmal - ich bitte Sie zu gehen und wir beginnen jetzt mit unserer ganz regulären sitzung

(tun wir das?)

[37:07]

(am selben tag - senatssitzung in bonn)

(transparent: freie bildng für alle)

[39:32]

wir sind dafür, daß wir alle hierbleiben und solidarisch bleiben und natürlich fordern wir, daß alle leute frei- und rausgelassen werden!

[39:43]

(auch an der FH köln sieht es nicht viel anders aus)

[39:47]

(sprechchor:) ihr könnt nach hause gehn, ihr könnt nach huse gehn, ihr könnt ihr könnt, ihr könnt nach hause gehn

[40:10]

da es nicht möglich ist, an der universität köln studiengebühren zu beschließen, flüchtet sich das rektorat in das ehemalige kernkraftwerk jülich in eine hochsicherheitszone

(schild: militärischer sicherheitsbereich. unbefugtes betreten verboten! vorsicht schußwaffengebrauch!)

hinter stacheldraht und wassergaben werden studierende und ihre interessen ausgesperrt.

[40:26]

in bonn gibt es ein versteckspiel und es wird an einem geheimen ort getagt. beide sitzungen sind anfechtbar, weil sie nicht öffentlich waren.

[40:46]

in bochum kommt es während einer der vielen stürmungen zu etwas, das die proteste nachhaltig beeinflußt

(freie universität bochum)

es wird die freie uni bochum ausgerufen und es wird ein ehemaliges mensa-haus besetzt, um dieser einen raum zu geben.

[40:58]

die freie uni bochum wurde am 22. mai 2006 ausgerufen nach einer öffentlichen senatssitzung im audimax der ruhr-uni bochum, dem größten hörsaal (transparten im hintergrund: für solidarität und freie bildung) die freie uni bochum ist nicht nur eine protest-plattform, wo unter anderem auch ein summer-camp of resistance im vergangenen sommer organisiert wurde, ein bundesweites vernetzungstreffen der proteste gegen studiengebühren und gegen einen einstieg in eine zunehmende ökon omisierung des hochschulbetriebes, die freie uni ist auch eine plattform für selbstbestimmtes lehren und lernen, es ist ein selbstorganisierter ort, wo studierende zusammenkommen aus verschiedenen fachbereichen, um interdisziplinär und selbstbestimmt eigene veranstaltungen auf die reihe zu kriegen und sich auszutauschen, de freie uni ist auch ein ort, wo kulturveranstaltungen stattfinden: konzerte, cafés etc., und ich möchte sagen: wir versuchen, den öffentlichen ort der öffentlichkeit zurückzugeben, wir wenden uns gegen eine kommerzialisierung, die bereits auf diesem campus eingerissen ist, auf vielen orten wir möchten einen gegenakzent setzen

[42:16]

somit spielt die freie uni bochum eine vorreiterrolle bundesweit, indem wir proteste und selbstbestimmtes lehren und lernen zusammenbringen, interdisziplinarität ist uns sehr wichtig, wir versuchen hier auf dem campus einen zentralen ort selbstorganisiert zu besetzen, wo alternative lehr- und lernangebote aus verschiedenen fachrichtungen gebündelt werden, und wir hoffen, daß es auch an anderen orten noch ganz viele freie unis in zukunft geben wird.

[42:50]

(transparent: 10. mai warnstreik + demo)

(pappschild: bildung für alle!)

[42:58]

in hamburg jährt sich die brutale räumung des hauptgebäudes der uni im summer of resistance 2005 und das hauptgebäude wird erneut blockiert. gleichzeitig wird ein aktionstag ausgerufen. denn genau an diesem tag will der senat hamburg ein neues schulgesetz verabschieden, das zu einer weiteren privatisierung der schulbildung führt und durch büchergeld die soziale selektion noch verschärft

[43:20]

(sprechchor: bildung für alle und zwar umsonst!) (kreuzungsblockaden der schülerInnen)

[43:44]

(transparente: kürzt euch doch selber weg! - bildung braucht demokratie)

[43:30]

(blockade der edmund-siemers-allee der TU (transparent: studiengebühren stoppen!) (gemeinsame demo in die innenstadt)

[45:17]

(transparent: bildung ist keine wirtschaftsware)

[45:53]

(auf zur wissenschaftsbehörde)

[46:26]

wir haben jetzt festgestellt, wir haben im zweiten stock einen sitzungsraum herr dräger befindet sich nicht im hause Sie können nicht erwarten, daß herr dräger zu diskussionen mit Ihnen hierherkommt (jörg dräger: wissenschaftssenator hamburg bis 2008. ab 2008 im vorstand der bertelsmann-stiftung für den bereich bildung) es ist nicht im wechselseiteigen interesse, nicht in ihrem, nicht in unserem, auch nicht im interesse der polizei, wenn wir uns hier mit anderen mitteln auseinandersetzen also von daher - bitte kommen Sie in den zweiten stock, das können Sie über das treppenhaus erreichen, und dort setzen wir dann die diksussion fort.

warum können Sie nicht verstehen, daß wir herrn dräger auch dabei haben wollen? - das kann ich verstehen. aber Sie müssen nunmal mit uns vorlieb nehmen.

(sprechchor: wir sind friedlich, was seid ihr?!)

[48:13]

(es kam zu mehreren festnahmen und verletzten. alle anwesenden personen wurden geräumt und bekamen eine anzeige wegen hausfriedensbruch.) (diese wurden ein halbes jahr später eingestellt.)

[48:24]

(smash studiengebühren - ya basta)

das neue an 2006 war die qualität der vernetzung. zu einem bundesweiten treffen in frankfurt kamen nicht nur die bisherigen protestler, sondern auch ein haufen neue leute aus hessen und nrw (nordrhein-westfalen) und darüber hinaus auch eine delegation aus frankreich. auch die stimmung war anders als sonst. es schien auch bundesweit konsens zu sein, daß der blümchenprotest vorbei war. es war zeit zu handeln. und andere wege zu beschreiten. daraufhin wurde ein bundesweiter dezentraler aktionstag ausgerufen, eine nord- und süddemo beschlossen und - zum ersten mal seit ewig langer zeit - auch wieder eine bundesdeutsche demonstration in angriff genommen. diese sollte dann in frankfurt passieren.

[49:10]

(transparent: studiengebühren stoppen! education is not for sale!)

(bundesweiter dezentraler aktionstag ham burg)

[49:37]

der bunte protestzug von mehr als 3000 menschen zog friedlich durch die hamburger innenstadt

[51:06]

(trotz immensem polizeiaufgebot gelang es, den hauptbahnhof zu stürmen)

trotz riesegem polizeiaufgebot gelingt es ca. 300 menschen, im anschluß an die demo den hauptbahnhof zu stürmen.

(sprechchor_ wir sind hier und wir sind laut weil man uns die bildung klaut! bildung für alle! und zwar umsonst! studiengebühren, kriminalisierung - unsere antwort: widerstand!)

[54:35]

dann kommt es zu unschönen szenen. knapp 70 leute werden gekesselt und in die extra für die WM (weltmeisterschaft) gebaute neue gefangenensammelstelle gebracht, von nun an studiknast genannt. dabei geht die polizei ziemlich brutal vor. der bahnhof wird für stunden gesperrt. die presse berichtet von über 600 minuten verspätung.

[55:12]

(gießen)

in gießen kommt es am gleichen tag zu einer massendemo mit 4000 menschen. dabei wird das rathus gestürmt, die autobahn blockiert und der innenstadtverkehr lahmgelegt.

[55:21]

aber auch in fulda, frankfurt und anderen städten gibt es kleinere aktionen im rahmen dieses tages.

[55:43]

die tagesschau berichtet von ein paar hundert leuten in gießen, die daran gehindert wurden, auf die autobahn zu kommen.

[55:51]

(sprechchor: roland koch, sieh uns an! das ist das WM-programm!)

es sieht so aus, als wurden damit dezentrale aktionswochen ausgerufen. in den folgenden wochen passiert jeden tag irgendwo etwas kleineres oder größeres.

[56:49]

500 steine? könnt ihr haben!

(erklärung: "steine" wird hier doppelsinnig gebraucht, einerseits als eines der synonyme für geld - die summe von 500 euro pro semester - und ganz unmetaphorisch)

[57:10]

im zuge der nahenden WM und dem druck, der aufgebaut wurde, nahm auch die repression weiter zu. schließlich erreichte uns eine schockierende nachricht aus frankfurt.

[57:22]

also das studierendenhaus ist ein gebäude, das den studierenden gehört. (interview im radio zip-fm mit anja) und in diesem gebäude hatten wir eine party und so gegen zwei uhr heute nacht zog die polizei auf den campus und umstellte das gebäude, forderte die leute auf, aus dem gebäude rauszukommen, ihre personalien abzugeben und dann den campus zu verlassen. - wie ging´s dann weiter? - - ein paar leute sind wohl rausgegangen, haben ihre personalien abgegeben und wurden teilweise direkt mitgenommen, was natürlich das vertrauen in das wort der polizei, daß nur ihre personalien aufgenommen würden, nicht gestärkt hat - daraufhin haben es einige leute es mit der angst zu tun bekommen und haben sich im gebäude verschanzt. die polizei hat dann den vorsitzenden informiert der kam dann in der nacht auch auf das gelände hat mit der polizei gesprochen, ist dann ins gelände rein, um mit den leuten zu sprechen, was dann der polizei wohl aber alles nicht schnell genug ging, und gegen vier uhr hat die polizei das gebäude gestürmt. die haben eine scheibe eingeschlagen, haben sich gewaltsam zugang zu den räumlichkeiten verschafft und sind mit massiver gewalt gegen die studierenden vorgegangen und haben die leute mitgenommen. das café ist komplett verwüstet, die eingänge vom studierendenhus sind momentan noch verramelt, also es kommt niemand rein, man muß durch einen nebeneingang gehen im moment, ich habe in einer pressemitteilung gelesen, die polizei hätte ein besetztes gebäude gestürmt, was völliger blödsinn ist, (nur nochmal zum mitschreiben an die polizei) wir haben unser eigenes gebäude nicht besetzt (das ist unser haus!) sondern wir haben in unseren räumlichkeiten eine party gefeiert. ich weiß nicht genau, was die polizei den leuten vorwirft. ich persönlich denke, daß die leute, die bisher an den protesten beteiligt waren, jetzt gerade erst recht weitermachen werden.

[53:10]

(und was sagt der herr polizeipräsident zum einsatz?)

[59:14]

ich bewundere meine polizeibeamten, daß sie die ruhe bewahren, die contenance bewahren, und nicht überreagieren, ob getreten oder geschlagen wird, weiß ich nicht. daß natürlich bei einer festnahme personen angefaßt werden und gegenebenenfalls auch handfesseln angelegt werden, das liegt in der natur der sache. ob getreten oder geschlagen wird, weiß ich nicht.

[59:44]

(widerstandsgrupe alphabet)

am 5.5.2006 brach die hessische landesregierung das gesetz. mit der einführung allgemeiner studiengebühren wird der art. 59 der hessischen landesverfassung ausgehebelt. wir alle wurden in dem glauben erzogen, daß das recht das höchste gut unseres landes sei. doch nun müssen wir feststellen, daß unsere machthaber geltendes recht mißachten, sobald es unbequem wird. das können wir nicht länger hinnehmen! die widerstandsgruppe alphabet wurde gegründet, um das recht wiederherzustellen. in erfüllung unserer pflicht als hessische bürger werden wir nach art. 46 und 47 alle uns zu gebote stehenden mittel anwenden, um diesen verfassungswidrigen plan zu vereiteln.

[1:00:33]

die verhältnismäßigkeit der mittel ist spätestens am 22.6. von der regierung selbst für obsolet erklärt wurden, nachdem friedliche studenten von der polizei mitten in der n acht überfallen wurden. darum wählen auch wir ab sofort unsere mittel nach eigenem ermessen. wir kämpfen für das menschenrecht auf freie bildung.

(widerstandsgruppe alphabet - widerstand von a bis z)

[1:01:04]

in hamburg waren wir schon einiges an repression gewöhnt. doch am zweiten bundesweiten aktionstag, der anläßlich der letzten gebührenlesung in hamburg stattfand, übertraf sich die polizei selbst wir waren viele, sehr viele, ich glaube mehr als 2000 leute. und trotzdem gelang es der polizei, uns komplett einzukesseln und uns den weg abzuschneiden.

[1:02:38]

es gab immer wieder versuche, leute festzunehmen, weil angeblich gerempfelt wurde. dafür bekam der demonstrationsleiter eine anzeige wegen auflagenverstoß. (transparent: smash studiengebühren. it´s time to rebel.)

[1:03:08]

der weg zum hauptbahnhof ist komplett abgeriegelt. teilnehmer von außerhalb werden aus dem bahnhof eskortiert. nach und während der demonstration werden an mehreren s-bahn-stationen willkürlich platzverweise erteilt an alles, was nach studi aussieht. hamburg im ausnhmezustand.

[1:03:23]

sind das verhältnisse, in denen mittels einer friedlichen demonstration der meinungsbildungsprozeß beeinflußt werden kann? schickt sich ein derartiges polizeiaufgebot für einen staat, der sich selbst demokratisch nennt?

(transparent: wir können auch anders. studiengebühren stoppen!)

[1:04:14]

(trotz aller proteste winkt der hamburger senat das gesetz an diesem tag durch)

[1:04:18]

ich würde sagen, daß mit der verabschiedung des gesetzes ein kurzer dämpfer da war, das ist auch ganz normal - wenn man erstmal versuch, das gesetz zu verhindern, daß aber andererseits eine ganz neue dynamik in der folge entstanden ist und man muß auch festhalten, daß unsere neuen protestformen klagen und boykottieren, besonders das boykottieren großen anklang findet unter den studierenden und daß wir es geschafft haben, eine ganz neue aktivengruppe in vielen städten zu finden, die diesen boykott organisiert. das macht mut.

[1:04:53]

(am selben tag süddemo in wiesbaden)

[1:08:56]

(auf besuch im hessischen wissenschaftsministerium (5.7.2007)

[1:09:45]

und die dialogbereitschaft von herrn corts sehen wir nicht als angemessen an. wir sind nicht bereit, eine modifikation eines ungerechten und falschen gesetzes zu diskutieren, sondern möchten hier unser verständnis von bildung und sozialer gerechtigkeit argumentieren. herr corts hat sich keiner öffentlichen diskussion gestellt. die presse war ausgeladen. herr corts wandte sich an uns - ich bin noch nicht einml gewähler referent, d.h. ich verstehe nicht, wieso sucht herr corts ein vier-augen-gespräch auf 'neutralem boden'? herr corts lügt ganz einfach: er stellt sich nicht der diskussion wenn er diskutieren will, dann soller die gewählten referenten akzeptieren, wir diskutieren nicht über studiengebühren! natürlich hätte man vor dem kabinettsbeschluß sich mit den studierenden und den vertretern der hochschue sich zusammensetzen können und einen gemeinsamen vorschlag erarbeiten können - da wäre insofern ein ganz anderer demokratischer weg schon möglich, außerdem möchte ich auf den art. 146 der hessischen verfassung verweisen, wir haben nämlich die pflicht, "für den bestand der verfassung mit allen zu gebote stehenden mitteln einzutreten". da sind gerade unsere proteste - das möchte ich unterstreichen - zum schutz der verfassung vesentlich. herr corts redet nicht mit studierenden, die gewählte referenten sind, er schließt die presse aus - wenn er sich überhaupt der öffentlichkeit stellt, dann unter polizeischutz - er stellt sich nicht der diskussion, er nimmt den protest nicht wahr, und er will es einfach nicht akzeptieren, er muß es aber.

[1:11:55]

(sind wir schon auf sendung? - wir senden schon längst. - na dann fang an.)

(plakat: 6.7. - bundesweite demo. für solidarität und freie bildung. auf nach frankfurt!)

von überall sind wir gekommen zu planen und organisier'n denn unsre bildung, die geht baden, doch wir woll'n sie nicht verlier'n schweinebande koch, rüttgers, corts, die geben keine ruh sie wollen uns zu kunden machen, doch das lassen wir nicht zu

[1:28:57]

hoch die fäuste, aufgestanden, widerstand ist nicht so schwer wir sind keine untertanen, unsre stimme kriegt ihr nicht unsre stimme kann man hören wenn sie euren konsens bricht

[1:14:16]

(schild: stoppt den sozialen rückschritt - nein zu studiengebühren!)

(transparent: solidarisch für freie bildung. freie-uni-bochum.)

(die polizei kein freund und helfer. stoppt kochs schlagstock-regierung!)

(neoliberal ist asozial)

(land der dichter und denker - koch ist dein henker)

[1:15:01]

(gegen studiengebühren und sozialabbau)

[1:16:52]

(ende der offiziellen demo auf zur autobahn)

(sprechchor: bildung für alle! sonst gibt´s krawalle!)

[1:17:56]

(gegen den sozialabbau im land: auf die barrikaden, auf die barrikden!)

[1:19:00]

(keine gewalt!)

[1:19:15]

(entgegen der aussage der polizei, man könne sich entfernen, war längst ein kessel gezogen worden...)

[1:19:59]

es kommt zu massengewahrsamnahmen (= massenhaften arresten) 294 menschen werden an diesem tag verhaftet und in massenzellen gebracht. dort nimmt man ihnen fingerabdrücke ab und fotografiert sie. bis spät in die nacht dauert diese fragwürdige aktion an. toilettengänge werden ebenso wie essen verweigert. um vier uhr morgens werden alle bis auf einen entlassen. den letzten lassen sie erst am nächsten nachmittag frei.

[1:21:15]

(spruchchöre: die welt zu gast und wir sitzen im knast!

wir werden´s wieder tun, wir werden´s wieder tun!)

[1:21:45]

die semesterferien brechen an. und damit geht die zeit der proteste normalerweise vorbei. doch diesen sommer entstehen viele protestcamps. in hessen war dann ein protestcamp, von frankfurt, offenbach, darmstadt, fulda und marburg nach gießen.

[1:22:04]

in bochum findet direkt an der freien uni bochum ein nrw-weites camp statt. auch das erste bundesweite boykott-treffen findet hier statt.

[1:23:07]

das bundesweite "summercamp of resistance" zieht in diesem jahr auf das anti-G8-camp.inski in der nähe von heilgendamm.

[1:23:20]

das bundesweite "summercamp of resistance" auf das camp.inski zu legen, war eine bewußte entscheidung. studiengebühren sind teil eines neoliberalen programms. und was liegt da näher als die größten vorantreiber eben dieser pläne anzugreifen, wenn sich die chance bietet? wir wollen zum gipfel nächstes jahr in heiligendamm mobilisieren und haben als zeichen einen global action day of education ende november ausgearbeitet. noch bin ich mir nicht sicher, ob die meisten studierenden diesen zusammenhang erkannt und verinnerlicht haben. aber am global action day for education werden wir sehen, wie hoch die beteiligung ist. schließlich mobilisiern wir zu weltweitem widerstand gegen diesen zusammenhang.

[1:23:55]

in den letzten wochen waren die studierendenproteste zumindest in hessen doch sehr auf studierende beschränkt und auch sehr stark auf die unis konzentriert. ich hoffe allerdings, daß sich das im neuen semester bessert, daß sich das wieder ausweitet und daß man eben auch über bundesweite aktionen und bundesweite vernetzung - daß man dafür auch ein entsprechend großes interesse wecken kann um da entsprechend hinzumobilisieren. wäre cool...

[1:24:28]

(ein halbes jahr, ein bundesweites treffen und einen global-action-day mit großer beteiligung später)

[1:24:32]

wir als studierende wollen zu diesem gipfel mobilisieren, wir hoffen, daß wir dort auch deutlich machen können, daß wir studierende uns nicht nur gegen den bildungsabbau wehren, sondern gegen den sozialabbau insgesamt, daß wir aber auch für eine freie gesellschaft gleichberechtigter menschen ohne herrschaft eintreten. und daß diese herrschaft der 8 mächtigsten nationen natürlich zu brechen ist. und daß werden wir auch als studierende versuchen, deutlich zu machen. wir werden mobilisieren, wir werden diese G8-vorbereitungen unterstützen, und wir werden diese mächtigen vertreiben.

[1:25:05]

doch es wird nicht nur vorbereitet. dank der camps wird es nicht still während der semesterferien.

(landtag NRW - düsseldorf. tag der offenen tür)

60 jahre NRW sind nicht nur ein grund zum feiern. ganz bestimmt keinen grund zum feiern haben immer größere schichten und gruppen der bevölkerung dieses bundeslandes.

(transparent: rüttgers ist rückschritt)

immer mehr gruppen der gesellschaft werden vom wohlstand dieses landes ausgegrenzt.

(sprechchor: rüttgers ist rückschritt - wir fordern rücktritt!)

(sprechchor: wehrt euch, leistet widerstand. gegen den sozialabbau im land. auf die barrikaden, auf die barrikaden!)

[1:26:00]

was gut gelaufen ist, vor allem in frankfurt: es war eine relativ große gruupe, die sich zusammengefunden hat. wir haben über ein allgemeines plenum eine relativ große gruppe von studierenden angesprochen, es waren teilweise 80 bis 100 leute in den plenumsitzungen, die sich in verschiedenen kleineren arbeitskreisen organisiert haben. dadurch hat sich der protest doch auf frelativ viele schultern verteilt, und so war es möglich über eine relativ lange zeit effektiv zu arbeiten. was hervorragend geklappt hat, war die vernetzung nicht nur innerhalb der eigenen uni, sondern über die eigene stadt hinaus mit anderen uni, hochschulen - nicht nur in hessen, sondern bundesweit. vernetzung mit gewerkschaften - solche sachen haben sehr gut geklappt. was nicht so gut gelaufen ist, ist vielleicht die kommunikation nach innen. es gibt immer einfach immer noch sehr viele studis, die nicht wissen, daß wir nicht mehr über langzeitstudiengebühren reden. sondern die der meinung sind, das betrifft sie alles gar nicht, die nicht verstanden haben, was das für sie bedeutet. die auch nicht verstehen, wo unsere kritikpunkte daran sind und daß wir sagen, das ist einfach sozial ungerecht. und da muß man einfach was gegen unternehmen. also die kommunikation nach innen, die muß wesentlich verstärkt werden, jetzt im kommenden semester. aber ich bin zuversichtlich, daß wir das in hessen auch hinkriegen. wir haben in der gesamten vorlesungsfreien zeit es geschafft, die proteste und die organisationen nicht einschlafen zu lassen sondern es ist immer weitergelaufen. und es sind auch wieder ein bißchen mehr leute geworden, nachdem alle erstmal ein bißchen in urlaub gefahren sind und sich entspannt haben - es war schon ziemlich anstrengend.

[1:27:51]

ich denke, der protest wird sich ein bißchen verlagern. ich denke, es wird wahrscheinlich härtere aktionen geben, die protestgruppe wird wahrscheinlich keliner werden, aber dafür sind die leute umso entschlossener. ich hoffe natürlich, daß wir im laufe des semesters auch wieder eine größere gruppe von leuten zusammenkriegen, und daß wir wieder mehrere tausend leute zu demos auf die straße kriegen. aber - es ist schwierig einzuschätzen. es wird auf jeden fall wetergehen. die studiengebühren in hessen sind noch nicht eingeführt. und wir haben einfach immer noch die hoffnung, daß wir trotz roland koch und cdu-regierung studiengebühren in hessen einfach kippen können.

[1:28:38]

derzeit ist die situation die, daß die freie uni offenbar zu erfolgreich arbeitet aus sicht des rektorats der ruhr-uni bochum, als daß sie noch weiter geduldet werden soll, wir haben eine unglaublich tolle pressearbeit gemacht, wir haben hier im hintergrund eine pressewand aufgebaut, die ungefähr 7 meter lang ist, für jeden monat des bestehens der freien uni einen meter, 7 monate freie uni, 7 monate pressewand, wir haben eine unglaubliche arbeit hingelegt und das wird sicher auch so weitergehen und das gibt uns auch eine gewisse sicherheit, daß das, was das rektorat mit uns vorhat, nicht umgesetzt wird - nämlich die freie uni zu räumen. es wäre ein skandal, wenn der neue rektr, der seit anfang dezember hier in bochum im amt ist, seinen willen umsetzen würde, die freie uni polizeilich räumen zu lassen. ich denke, wir haben soviel solidarität erfahren und solidarität ist nicht nur ein wort, sondern hier wird praktische solidarität geübt, so viel davon habe ich noch nie in meinem leben erlebt - und ich finde das völlig phantastisch, wieviele leute wieviele verschiedene sachen auf die beine bringen. hier kommen leute vorbei, die essen spenden, die wärme in die FUB (freie uni bochum) bringen, auch wenn wir keine heizung haben, und das ist in diesem winter das beste, was uns passieren kann. ich denke, so halten wir hier durch. ich glaube nicht, daß wir geräumt werden. denn wenn man sich überlegt, wieviele gruppen in bochum sich solidarisch erklärt haben mit der freien uni, dann muß das einfach politisch dazu führen, daß eine räumung unmöglich ist.

[1:30:21]

der protest - der studentische protest nicht nur gegen die einführung von gebühren - ist ungebrochen, seit mindestens 2003, 2004 wird versucht, unseren protest systematisch klein- und kaputtzureden. festzuhalten ist, daß sowohl im sommersemester 2005 als auch im sommersemester 06 es eine ungeahnte neue welt des protestes gab. trotz verabschiedeter gesetze jetzt im sommer in 5 bundesländern sind perspektiven da, ist das kritische potenzial massiv. es werden zur zeit mehrere klagen vorbereitet in verschiedenen bundesländern, es wird auch ein boykott der gebühren vorbereitet, in den 5 bundesländern, die ab sommersemester 2007 gebühren erheben wollen. wir gehen davon aus, daß der boykott erfolgreich wird, ebenso gehen wir davon aus, daß über unsere massenhaften klagen diese gesetze sich als rechtswidrig erweisen werden. es geht weiter. es hört nie auf.

[1:31:14]

damit sollte er recht behalten.

(start des wintersemesters (06/07) in darmstadt)

(sprechchor: sozialabbau im ganzen land - unsere antwort: widerstand! ohne udo wär`n wir gar nicht hier)

[1:32:46]

(to be continued)

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