AVV/Tipps zur Selbstorganisation
Aus Bildungswiki
Ein paar Tipps für den Umgang miteinander –
Dieser Text basiert unter anderem auf den Texten „besser treffen“ und „Knackpunkte“ die ihr auf der AVV-Wikiseite als pdf runterladen könnt.
Ihr wollt ein Autonomes Seminar machen, wollt gleichberechtigt, ohne Lehrperson euch gemeinsam ein Thema erarbeiten, euch austauschen und von einander lernen - dann werdet ihr sehr wahrscheinlich mit einigen Problemen konfrontiert werden, denn eine solche Aufgabe ist nicht so einfach zu bewältigen.
Der folgende Text möchte euch helfen in problematischen Situationen nicht gleich aufzugeben, sondern Wege zeigen wie auch hohe Hürden überwunden werden können.
Voraussetzung:
Zuerst einmal solltet ihr euch darüber bewusst werden, dass nicht eine Person die Treffen vorbereitet und ein fertiges Konzept haben wird. Ihr seid alle gefordert gemeinsam das Seminar zu gestalten, d.h. ihr solltet euch alle Gedanken über eure Ziele, eure Arbeitsweise, die Methoden usw. machen und diese Arbeit (- ja, das ist Arbeit!) nicht einfach einer oder wenigen Person_en überlassen.
Diese Aufgabe gemeinsam zu bewältigen, ist alleine schon eine Herausforderung, aus der auch einiges gelernt werden kann.
Für verschiedene Ziele, verschiedene Themen und verschiedene Gruppen können sehr unterschiedliche Arbeitsweisen sinnvoll sein. Hier stelle ich einige vor, die sich in meiner persönlichen Erfahrungswelt häufig sehr sinnvoll erwiesen haben.
Aufteilen in kleinere Arbeitsgruppen:
Ab spätestens 10 Leuten wird eine gleichberechtigte Diskussion zwischen allen eine Illusion: Entweder sprechen nur wenige und der Rest hört zu, oder die Diskussion ist unproduktiv und kann sich nicht entwickeln - wahrscheinlich beides.
An dieser Stelle macht es Sinn sich in Kleingruppen von 3-6 Leuten zu teilen.
Dort können gerade kreative und produktive Diskussionen viel besser geführt werden un d auch komplizierte Probleme werde dort viel schneller gelöst. Arbeit in kleineren Gruppen erhöht die Beteiligung jeder/s einzelnen, mensch lernt sich besser kennen und es macht einfach mehr Spaß!
Es hat außerdem den Vorteil, dass verschiedene Gruppen verschiedene Teilaspekte erkennen und so, indem mensch sich danach gegenseitig die Ergebnisse vorstellt, alle mehr lernen.
Vorschlag zum Vorgehen:
1. Ihr solltet euch überlegen, ob ihr alle zum selben Thema diskutieren wollt, oder unterschiedliche Fragen bearbeiten wollt. Beides kann je nach Situation sehr sinnvoll sein. Es jedoch besser sich auf ein Vorgehen zu einigen, als einfach drauflos zu arbeiten.
2. Setzt euch einen Zeitrahmen! Unter einer Halben Stunde macht meist keinen Sinn, aber es sollte auch nicht ausfasern. Wenn die Diskussionen gut laufen, werdet ihr ohne Probleme die Zeit füllen.
Plant aber ausreichend Zeit ein um euch anschließend gegenseitig eure Ergebnisse vorzustellen; so werden die Einzelergebnisse für alle produktiv!
3. Überlegt euch wie ihr eure Ergebnisse der restlichen Gruppe vorstellen wollt! Dazu wäre die erste Frage: Was sind denn eigentlich eure Ergebnisse? Diese sind nicht unbedingt die genauen Antworten auf die Frage, mit der ihr begonnen habt. Vielleicht habt ihr Themen gestreift, die auch, wenn sich nicht direkt zur Fragestellung passen, für die anderen interessant sein könnten, und weiterführende Fragen entwickelt. Haltet trotzdem keine endlosen Vorträge; der Rest der Gruppe kann auch Fragen stellen, wenn ihr etwas nicht genau genug erklärt.
4. Achtet darauf, dass sich nicht immer dieselben Leute zu Gruppen zusammenschließen; das sorgt für informelle Hierarchien und ist häufig auch noch unproduktiver, weil mensch nicht mehr so viele neue Denkanstöße von verschiedenen Leuten kriegt.
Strukturierung von Treffen/Vorbereitung
Gut wäre es natürlich, wenn alle sich vorher zu einem Thema vorbereiten und mit einem Haufen ungeklärter Fragen zusammenkommen würden - aber das funktionierte ja schon in der Schule nicht… Es macht Sinn Treffen in irgendeiner Form vorzubereiten, insbesondere, wenn ihr eine größere Gruppe seid.
Vorbereitete Inputs (also z.B. ein Kurzreferat oder ein Handout) versorgen vor der Diskussion alle mit den relevanten Infos und erleichtern so den gleichberechtigten Start in eine Diskussion. Diese Aufgabe sollte aber rotieren! Auch wenn sich einzelne vielleicht viel besser zu einem Thema auskennen, zwingt das nicht dazu, dass sie immer wieder ein Input vorbereiten. Es ist im Gegenteil häufig eher sinnvoll, wenn es andere machen; das stärkt die Beteiligung und schwächt informelle Hierarchien.
Aber die Vorbereitung einer Sitzung kann viel mehr umfassten: Treffen könne auch sehr unterschiedlich und kreativ gestaltet werden. Wenn die Vorbereitung einer Sitzung rotiert und sich so alle mal was überlegen müssen, kann mensch auch mal Dinge ausprobieren und danach ein Feedback von der Gruppe bekommen. Nett ist es dabei ungewöhnliche Ideen erstmal auszuprobieren statt sie vorher schon zu kritisieren und abzulehnen, nur weil sie ungewohnt sind.
Es kann sinnvoll sein sich vorher ein paar spannende Fragen zu überlegen. Dabei ist es aber eher kontraproduktiv „die Antwort“ schon zu wissen, schließlich gibt es meistens viele richtige Antworten.
In manchen Gruppen ist es auch sinnvoll eine regelmäßige „Form der Treffen“ festzulegen, z.B.: 1. Vorstellungsrunde, 2. Aufgabenverteilung, 3. Einigung auf Fragestellungen, 4. Input, 5. Nachfragen, 6. Aufteilen in Kleingruppen, 7. Ergebnisvorstellung, …
Moderation
Wenn ihr eine große Gruppe (ab 10 Leute) seid und ergebnisorientiert an einer bestimmten Fragestellung arbeiten wollt, so macht wahrscheinlich eine Moderation Sinn. Die Aufgabe der Moderation ist es v.a. die Aufgabenstellung im Auge zu behalten, das Gesprächsverhalten zu „überwachen“ und Zwischenergebnisse zu formulieren.
Es ist nicht Aufgabe der Moderation Redelisten zu führen, sondern eher die Aufgabe Situationen, in denen Redelisten nötig sind, zu vermeiden (indem z.B. darauf hingewiesen wird, dass bereits seid 20 Minuten kein neues Argument mehr kam) bzw. dann eine Aufteilung in Kleingruppen vorzuschlagen.
Noch ein Grund für eine Moderation: Wenn ihr keine Moderation habt, werden „moderierende Aufgaben“ häufig immer von derselben Person wahrgenommen; alle anderen nehmen dieses Eingreifen nur unbewusst wahr und so entwickelt sich eine informelle Hierarchie und eine ungleiche Arbeitsverteilung. Indem ihr euch bewusst macht, wer diesen Job gerade in welcher Form übernimmt, könnt ihr durch Rotation alle lernen diese Aufgabe zu übernehmen, und könnt darüber diskutieren, was ihr gut oder weniger gut fandet.
Ergebnisse sichern
Es ist für euer Seminar selbst hilfreich, wenn ihr eure Ergebnisse sichert, weil ihr dann in anderen Sitzungen darauf aufbauen könnt, Fragen vom Letzten Mal aufgreifen könnt, Personen, die nicht immer anwesend sind nicht gleich soviel verpasst haben usw.
Aber es ist wahrscheinlich auch für andere interessant, was ihr erarbeitet.
Es lohnt sich oft Ergebnisse eines autonomen Seminares aufzuarbeiten und z.B. in einem Wiki anderen zugänglich zu machen. Dies ist zwar eine Menge Arbeit, aber sie lohnt sich!
Es könnte darüber auch ein stärkerer Austausch zwischen verschiedenen Gruppen entstehen.
Das Bildung-schadet-nicht-Wiki kann gerne genutzt werden und interessante Texte können auch der Redaktion zugeschickt werden - vielleicht übernehmen wir sie ins nächste AVV.
Übrigens ist Protokolle lesen, egal, ob mensch da war oder nicht eine sinnvolle Sache, weil die Ergebnisse noch mal vergegenwärtigt werden und leichter an das letzte Treffen angeknüpft werden kann.
Es lohnt sich außerdem Gedanken darauf zu verschwenden, was mensch denn eigentlich in welcher Form festhalten möchte.
...und es ist wirklich aufbauend für die AVV-Redaktion, wenn wir die Spuren vergangener Seminare finden, die erfolgreich an etwas gearbeitet haben.
Probleme/Unzufriedenheit ansprechen:
Vorweg: alle machen Fehler! Aber alle wollen daraus lernen!
Allerdings ist es weder leicht Kritik zu äußern noch auf diese einzugehen.
Dennoch liegt es in der Verantwortung Aller Probleme anzusprechen und auszudrücken – wenn ein Problem nicht ausgesprochen wird, kann es auch nicht gelöst werden und umso länger es besteht umso schwerer lässt es sich lösen.
Dabei ist es unfair von Leuten, zu erwarten, dass sie das perfekte Seminar organisieren.
Allerdings sollte auf Kritik immer eingegangen werden!
Insbesondere, wenn diese recht diffus ausgedrückt wird, sollte man sich Zeit nehmen dem Problem auf die Spur zu kommen, anstatt mit Totschlagargumenten dagegen vorzugehen. Dabei ist die ganze Gruppe gefordert.
Eine „Runde“
Zu manchen Themen, insbesondere zu organisatorischen Entscheidungen und Konflikten, ist eine „Runde“ sinnvoll. Ziel ist, dass sich ALLE zu einer Frage äußern können (Nicht müssen!) und, dass das, was andere sagen nicht kommentiert wird (sonst wird nämlich sofort wieder diskutiert).
„Runden“ nicht rund sein!
Dabei sind zwei Dinge ganz wichtig:
1. Es gibt eine konkrete Frage, die vorher feststeht und am besten aufgeschrieben wird!
2. Fast euch kurz und antwortet nur auf die Frage! Sonst dauert das nämlich ewig!
Außerdem wichtig ist, dass insbesondere bei „der Runde“ aufmerksam zugehört wird, man nicht persönlich wird und sich ausreden lässt.
Aber: Nicht für jedes Problem ist eine „Runde“ die richtige Lösung – fragt euch vorher ob es Sinn macht.
Noch ein paar kurze Tipps zum Schluss:
Plant immer genug Pausen ein! Und macht euch klar, wie lange die Pausen dauern, damit nicht Leute unnötig warten müssen.
Reflektiert regelmäßig über eure Ziele und euer Zufriedenheit, z.B. in einer „Abschlussrunde“, in der alle noch kurz sagen, ob das Treffen Spaß gemacht hat, was positiv und was negativ war.
Häufig helfen schon Kleinigkeiten, z.B. Visualisierung der Fragestellung bei der ihr gerade seid oder eine andere Sitzordnung.
Heißt neue Leute immer erstmal willkommen: nehmt euch Zeit euch vorzustellen, erklärt wie ihr arbeitet und wo ihr gerade thematisch seid.
Achtet auf stille Leute, die sich nicht an Diskussionen beteiligen und versucht diese mit einzubeziehen.
Alle Aufgaben sollten rotieren! Insbesondere Moderation und Protokoll sollten unbedingt immer von verschiedenen Leuten übernommen werden, aber auch Einladungen zu schreiben, Öffentlichkeitsarbeit, usw. Absolut unfair ist es, wenn eine Person alle Aufgaben übernimmt!
Schreibt eure AVV-Darstellungen nicht erst drei Tage nach Redaktionsschluss!
